Eine Chéngdū (Sìchuān) Reise in 2008 (Jakob T.)


Hier mein Bericht über meine letzte Chinareise 2008 nach Chengdu, Sichuan, der über ziemlich genau einen Monat vor dem grossen Erdbeben in dieser Region enstand. Vieles was ich damals noch sehen durfte, wurde durch das schwere Erdbeben zerstört.
Da ich den Bericht vor Ort schrieb, fehlen die Umlaute, da die „chinesischen“ Computer nicht dafür eingerichtet waren, denn dieser gehörte meiner chinesischen Bekannten.

Freundlichen Gruss
Jakob Troller

Nimen hao!

Das DuJiang Yan Flusswasserregulations- und Bewaesserungssystem

Karte von Sichuan DujiangyanDas Gebiet von DuJiang Yan (gesprochen: Du-Tschiang-üan) befindet sich am Fusse des Qingcheng (Tsching-Tscheng) Gebirge in der oberen Chengdu (Tscheng-Du) Ebene, der Provinz der tausend Fluesse, Sichuan (Se-Tschuan) genannt, ungefaehr 60 km nordwestlich von Chengdu. DuJiangYan ist eine Stadt mit einer ueber 4000 Jahre alten Geschichte.

Das Chingcheng Gebirge uebrigens ist das intellektuelle und spirituelle Zentrum des Taoismus. Dort finden sich die elf Cingcheng Tao Tempel (Tsing-Tscheng Tao Tempel). Die gesamte Ebene der Grossregion wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit mehrfach vom Hochwasser heimgesucht. Der die Ueberschwemmungen verursachende Hauptfluss war der ungezuegelte Lauf des Minjiang (Min-Tschiang) Flusses, des laengsten und wasserreichsten Nebenarmes des Yangtse. Die Ueberflutungen hatten verheerende Auswirkungen auf die damaligen Bewohner dieser Gegend. Archaeologische Forschungen lassen annehmen, dass unter anderem die Hochkulturen der Sanxingdui (San-Sing-Dui) und Jinsha (Dschin-Scha) infolge katastrophaler Ueberschwemmungen zusammenbrachen. Der Fluss befruchtete die Zivilsation und die Kultur des alten Shu (Schu) Koenigreiches, hatte dieses oft aber auch heimgesucht. Dies bewog die Herrscher damals ein Loesung zu finden, um den Ueberschwemmungen im Fruehling und im Sommer Herr zu werden und Trockenzeiten im Winter zu verhindern.

Das Dujiang Yan Flussstauwehrsystem wurde vor mehr als 2200 Jahren erbaut. Seither sind die Hochwasser unter Kontrolle. Das Flusswehr- und Bewaesserungssystem brachte dem dort lebenden Volk grossen Wohlstand und kulturelles Gedeihen.

Li BingIm Jahre 256 v.Chr. wurde es von Li Bing, Regierungsstatthalter der Qing (Tsching) Provinz des Shu Reiches, nach ausgedehnten Erkundungen geplant und unter Mithilfe seines Sohnes erstellt am oestlichen Ausgang des Fusses des Minshan (Min-Schan) Gebirges, nordwestlich, am linken oberen Anfang des Sichuan Beckens auf 730 M.ue.M..

Unter Beruecksichtigung der lokalen Topograpie einer Flussbiegung des Minjiang Flusses und durch eine ausgekluegelte Wahl der Konstruktionen des Stauwehrsystemes wurde wurde dieses grandiose, historische Wasserbauwerk geschaffen. Zitat ‚Shangshu * Yugong‘: „Der Berg leitet den Fluss Minjiang. Im Norden ist eine kleine Bucht am Flusslauf …. .“

Das DuJiang Yan Flusswasserregulationssystem besteht aus drei ineinander integrierten Teilanlagen:

Fischmaul Wasserscheidedamm– Yuzui (ü-Zhui) (Fischmaul) Wasserscheidedamm und Stauwehr
Durch den Bau eines Wasserscheidedammes in der Flussmitte wurde der Minjiang Fluss in zwei Flussarme geteilt: den aeusseren Fluss, der dem Verlauf des Hauptflusslaufes entsprach und dem inneren Fluss, der neu gestaltet wurde fuer die Bewaesserung und Schiffbarmachung der Chengdu-Region.
Die jahreszeitlichen Wasserflussmengen werden durch den Scheidedamm grob und durch das Wehr fein reguliert. Die Aufspaltung des Flusslaufes des Minjiang dient der Hochwasserkontrolle via aeusserem Kanal und dem Bewaesserungssystem durch den inneren Kanal. Diese Kanalisierung verhinderte von nun an unter anderem die Ueberschwemmungen der Chengdu-Ebene.

Feishayan Ueberlauf– Feishayan (Fei-Scha-Ian) (fliegender Sand) Hochwasserueberlaufrinne und Flussgeschiebeableiter
Der Feisahyan dient der Rueckleitung des ueberschuessigen Flusswasser bei hohem Wasserpegelstand in den aeusseren Kanal, sowie der Abscheidung des Flussgeschiebe, wie Sand und Kleingeroell. Die Hoehe des Bettes des Ueberlaufes Feishayan ist mit dem Einlass des Baopingkou Kanals so abgestimmt, dass die Wasserdurchflussmenge in den Baopingkanal stets recht konstant bleibt und im Gebiet des Unterlaufes keine Ueberflutungen mehr moeglich wurden. Die Durchflussmenge des Feishayan ist zehn mal groesser als die des Baopingkou.

– Baopingkou (Bao-Ping-Kou) (kostbarer Flaschenhalsmund) Kuenstlicher Wasserkanal fuer die Bewasserung und
Schiffung von Chengu Der Baopingkou-Kanal wurde am Fusse des Yulei (ü-Lei) Berges aus dessen Felshuegel ausgebrochen.Der Baopingkou ist das Wassereinlasstor fuer die Kanaele des Bewaesserungssystems. Ein riesieges Kanalnetz in der Chengdu-Ebene verteilt das Wasser in die ganze Region (heute beziehen drei Provinze und 36 Staedte ihr Wasser aus diesem System). Das Niveau der Kanalsohle und der Querschnitt des Baopingkou sind auf den Wasserbedarf des gesamten Bewaesserungssystem abgestimmt (gilt heute noch nach mehr als 2000 Jahren!). Der Ueberlaufabscheider Feishayan und der Baopingkou sind so aufeinander eingestimmt, dass eine bestimmte Wasserflussmenge in die Chengdu-Ebene nicht ueberschritten werden kann und folgedessen Ueberflutungen in der unteren Ebene nicht mehr auftreten koennen.

Die Ufer des Minjiang flussabwaerts wurden befestigt und die Maeanderung des Flusses, welches Schaeden bei Ueberflutungen mitverursachte, verhindert.

Innerer und Aeusserer Fluss FeishayanAufgrund der Ausgestaltung des Dammes fliessen im Winter 40% des Flusswasser in den aeusseren Fluss und 60% in den inneren Fluss. Im Fruehjahr und im Sommer schwillt der Fluss Minjiang mit seinen Nebenfluessen durch die Schneeschmelze und die Regenfaelle stark an. Die zentrifugalen Kraefte der Wasserstroemung lenken an einer bestimmten Stelle der Kruemmung des Flussbogen das ans Uferbord prallende Wasser so um, dass die Hauptstroemung nun vorwiegend in Richtung des aeusseren Fluss geleitet wird. Aufgrund der Konstruktion der Wasserscheidedammes fliessen in der wasserreichen Zeit 60% des Flusswasser in den aeusseren Fluss und 40% in den inneren Fluss. Da die Wassermenge im inneren Flusses trotzdem zu hoch waere, fliesst, um den Wasserdurchfluss durch den Baopingkou konstant zu halten, ab einem gewissen Wasserstandspegel das ueberschuessige Wasser durch den als Ueberlauf gestalteten Feishayan und leitet es in den aeusseren Fluss zurueck. Im Fruehjahr bei anschwellendem Fluss wird der Wasserstrom zu gross und daher wird das Wehr geoeffnet um das Wasser in den auesseren Fluss zu leiten. Heutzutage werden die Baken der Wasserschleuse hydraulisch gehoben. In alten Zeiten wurde in die Mitte des Wehres eine Oeffnung gerissen, worauf die abfliessende Wassermenge das Wehr unter Einwirkung von, vom Ufer aus gezogenen Seilen, wegspuehlte. Im Herbst musste dieses Wehr jeweils wieder neu erstellt werden. Das alte Wehr bestand aus drei Elementen: dem Tetra-Dreibein, der Bambusgeflechtmatte und aus mit Steinbohlen gefuellten Bambuskaefigkoerben.

Flussgeschiebe
Ein besonderes Augenmerk musste der Kontrolle des Flussgeschiebe, den Felsbrocken, dem Geroell und Sand, und dem Schlick entgegen gebracht werden. Des Flussbogen oberhalb des Fischmaules Yuzui bewirkt durch dessen Kruemmung, dass zentripetale Kraefte bei starker Stroemung das Geschiebe vom inneren Ufer ans aeussere Ufer in den aeusseren Fluss schwemmen. Dem Verlauf des Hauptstromes folgt auch das Geschiebe, demzufolge dieses in den aeusseren Fluss geleitet wird. Felsbrocken und grobes Geroell werden bei hoher Wasserfuehrung durch den Scheidedamm beim Yuzui vor dem Wasserregulierungssystem entfernt und in das alte Flussbett des Minjiang, den aeusseren Fluss, abgeleitet. Damit koennen 80% des Geschiebe in den aeusseren Fluss rueckgefuehrt werden und nur 20% gelangen in den inneren Kanal und diese werden vor dem Baopingkou fast vollstaendig eliminiert. Bei starker Stroemung des Hochwassers wird kleineres Flussgeschiebe ueber den Feishayan in den aeusseren Fluss, das alte Hauptbett des Minjiang, zurueckgeleitet, wo es ebenfalls in den Yangtse hinunter verfrachtet wird. Das mittlere und feinere Geschiebe, das mit der Oberflaechenstroemung treibt, wird ueber den Feishayan, daher der Name „Fliegender Sand“, weggefuehrt, womit die Verlandung des Bewaesserungssystems verhindert wird.

Mount Qingcheng and the Dujiangyan Irrigation System
Zusaetzlich wurde das Flussbett, insbesondere die Flusssohle so veraendert, dass die Hauptstroemung das Geschiebe optimal in den aeusseren Fluss transportiert. In einer, an einem speziellen Ort der Biegung des inneren Flusses, dem Fengqiwo (Fang-Tschi-Wo), eine aus dem Uferfelsen gebrochene Bucht, lagert sich das restliche feine Geschiebe fast vollstaendig ab und wird so vom Bewaesserungssystem ferngehalten. Die Unterhaltsarbeiten des Systems, die hauptsaechlich im wasserarmen Spaetherbst und Winter durchgefuehrt werden, werden so auf ein Minimum beschraenkt. Periodisch sind Ablagerungen, vorwiegend Sand aus der Fengqiwo-Bucht zu entfernen. In frueherer Zeit wurde fuer die Festlegung des Unterhaltes eine in die Buchtfelswand gehauene, steinerne Pferdestatue und steinernes Schaf verwendet. War das Pferd nicht mehr sichtbar, musste der Sand aus der Bucht entfernt und das Flussbett abgeteuft werden bis das Steinschaf sichtbar wurde. Diese Methode der Geschiebeablagerungskontrolle wurde spaeter dadurch ersetzt, indem in das Bett der Fenqiwo-Bucht Eisenrundlinge quer in bestimmten Abstaenden eingelegt wurden. Der Sand konnte mit dieser Anordnung effektiver abgetrennt werden. Waren die Zwischenraeume der Eisenrollen mit Sand zugedeckt, waren die uebliche Unterhaltsarbeiten angesagt.

Das urspruengliche System ist mit heutiger Technologie und modernen Baumaterialien ergaenzt worden. Ein Grossteil des suedwestlichen Gebietes Chinas ist heute immer noch unverzichtbar abhaengig von diesem grossartigen Wasserregulationssystem.

Im Jahre 2000 wurde das DuJiang Yan Flusswasserregulations- und Bewaesserungssystem mit Landschaftsgebiet Dujiangyan und dem Gebirge Qingcheng von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Das DuJiang Yan Flusswasserregulations- und Bewaesserungssystem gehoert mit zu den grossen Bewaesserungs- und Regulationssytemen der Antike zusammen mit dem Staudamm Mesopotamiens im Zweistromland Euphrat Tigris und den Staubewaesserugskanaelen des ehemaligen Konigreiches von Saba und den Wasserreservoir-Bewaesserungsanlagen der Inka.

Die Bilder zu diesem Bericht von Kobi Troller

Zaijian Kobi

Websiten Dujiangyan:

UNESCO World Heritage
http://whc.unesco.org/en/list/1001 (english)

Offizielle Website des chinesischen Staates
http://china.org.cn/english/kuaixun/75140.htm (english)
http://german.china.org.cn/node_7088004/content_23124410.htm (deutsch)

China Travel Guide
http://www.travelchinaguide.com/attraction/sichuan/chengdu/dujiangyan.htm (english)

Sketch Map & Introduction to Dujiangyan Weir
http://www.chinadam.com/dam/dujiangyan-sketch.htm

Huebsche Photos
http://www.galenfrysinger.com/dujiangyan_china.htm

Fast(Food) Tourist
http://www.greatmirror.com/index.cfm?countryid=129&chapterid=823&picturesize=medium

Ein Yankee in China
http://www.thesalmons.org/lynn/Dujiangyan/

und noch einer
http://www.pbase.com/david_dong/dujiangyan_sichuan_china_




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